Fotos: Stefanie Loos

 

räsonanz - Der Konzertabend

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Beim räsonanz – Stifterkonzert in München wurde der Stiftergedanke zu Klang: Zeitgenössische Musik – entstanden in und aus unserer Zeit – zeigte ihre ganze Lebendigkeit und begeisterte.

Das Konzert beginnt mit einer Fanfare, Call von Luciano Berio. Fünf Blechbläser des Mahler Chamber Orchestra stehen in einer Reihe auf dem obersten Podest und spielen über das Orchester hinweg. Teodor Currentzis sitzt da schon auf der Bühne und hört zu. Er lässt die Hälfte attaca spielen, die einzige Pause entsteht, als der MusicAeterna Chor aus Perm das oberste Podest übernimmt. In langen schwarzen Kutten singen sie György Ligetis Lux Aeterna. Die vibrierenden Dissonanzen der Stimmen bilden schwebende Klangflächen. Auch das nächste Stück schwebt: Bei Lonely Child von Claude Vivier werden die Klangflächen zu Klangfarben. Die Sopranistin Sophia Burgos singt nicht nur, sie gibt Laute von sich, wird mit dem Orchester zu, wie Vivier selbst sagte, „reiner Melodie“. Das Schweben wird nur durch heftige Schläge auf die große Trommel unterbrochen, für einen kurzen Moment erden sie das Hören. Teodor Currentzis wischt die letzten Klänge von der Bühne und Dunkelheit beendet den ersten Teil des räsonanz – Stifterkonzertes.

Coro  von Luciano Berio, der zweite Teil des Konzerts, bricht schon vor dem ersten Ton alte Gewohnheiten auf: Der MusicAeterna Chor und das Mahler Chamber Orchestra sitzen durchmischt: Am Konzertmeisterpult sitzt eine Sängerin zusammen mit einer Flötistin, vorne rechts am letzten Pult sitzt ein Trompeter. In den Reihen, die üblicherweise die der Holzbläser sind, sitzen jetzt Streicher, dazwischen eine Posaune. In der Mitte direkt vor Currentzis thront ein Flügel. Die Klänge sind nicht mehr mit ihrem gewohnten Ort im Orchester verbunden, der Urheber des Klanges verliert auf der einen Seite an Bedeutung, auf der anderen gewinnt er sie, weil man stets nach ihm Ausschau hält. Das Stück ändert durchgehend seinen Charakter: Auch Coro schwebt an manchen Stellen, beeindruckt aber auch durch energetische Lautstärke, klingt wie ein Lied, wenn Sänger und ihre instrumentalen Pultnachbarn plötzlich nur noch im Duett spielen, dann wieder klingt die Musik mächtig und erhaben.

Das Publikum ist am Ende begeistert: Currentzis lässt Musiker und Sänger Reihe für Reihe aufstehen, und als alle stehen, brandet Jubel auf. MusicAeterna gibt noch eine Zugabe: Immortal Bach von Knut Nystedt. Der summende Schlussakkord geht beinahe unbemerkt in Stille über. Der Stiftergedanke klingt nach.

Saskia Müller