Elliot Carter

Aus der Laudatio von Sir William Glock:

Carters rhythmische Entdeckungen speisen sich, wie ich glaube, aus vielen Quellen: aus tiefen Wahrnehmungen über das Phänomen der musikalischen Zeit, aus einer Überzeugung, daß auf dem Gebiet der Rhythmik die Ausdrucksmöglichkeiten der Musik des 20. Jahrhunderts noch nicht so kühn entwickelt worden sind, wie es möglich wäre — und in dieser Beziehung wirkte Charles Yves' komplexer Polyrhythmus als anregender Einfluß — und aus literarischen Analogien.

Als ein Mann von weitgespannter Bildung, der schon seit seiner Studienzeit an allen Aspekten modernen Denkens leidenschaftlichen Anteil nahm, ist er wahrscheinlich von anderen Künsten, vor allem von der Literatur, ebenso tief beeinflußt worden wie von der zeitgenössischen Musik.

Der ihn am meisten interessierende Zeitaspekt ist ihm in den Romanen von Proust begegnet, bei dem die Gegenwart immer im Zusammenhang mit der Vergangenheit erscheint; die Vergangenheit ist der Gegenwart beinahe überlagert. Und indem er versuchte, eine musikalische Parallele zu Proust zu finden, begann Carter, das Prinzip einer musikalischen Textur zu entwickeln, in der Schichten verschiedener Ideen miteinander kombiniert werden. Die Frage war, wie man diese Schichten getrennt halten könnte und wie man sie darstellen müßte, damit der Hörer sie erkennt und sieht, wie sie sich gegenseitig beeinflussen. In gewisser Hinsicht ging er aber eigentlich weiter als Proust; das heißt, er übersetzte Prousts Begriffe in ein Medium, in dem sie mit größerer Unmittelbarkeit verwirklicht werden können.