räsonanz – Luzern 2018

Sir András Schiff

Sir András Schiff kam 1953 in Budapest, Ungarn, zur Welt und erhielt seinen ersten Klavierunterricht im Alter von fünf Jahren bei Elisabeth Vadász. Er studierte Musik an der Franz-Liszt-Musikakademie bei Professor Pál Kadosa, György Kurtág und Ferenc Rados und in London bei George Malcolm.

Klavierabende und -zyklen unter anderem mit den großen Klavier­werken von J.S. Bach, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Chopin, Schumann und Bartók machen einen bedeutenden Teil seiner Konzert­tätigkeit aus. Seit 2004 hat er einen Zyklus mit allen 32 Klavier­sonaten von Beethoven in 20 Städten aufgeführt, den er in der Tonhalle Zürich live einspielte.

Seine jüngste Aufnahme bei ECM mit Franz Schuberts Spätwerk für Klavier, gespielt auf einem Wiener Brodmann-Flügel von 1820, erschien im April 2015 und erhielt kürzlich den International Classical Music Award (ICMA) als beste Solo-Instrumental­aufnahme des Jahres. Damit erhielt Schiff diese Auszeichnung zum zweiten Mal. Das erste Mal wurde er 2012 für seine Einspielung Geistervariationen mit Werken von Robert Schumann (ECM) mit dem ICMA ausgezeichnet.

Schiff hat mit den meisten führenden interna­tionalen Orchestern und Dirigenten zusammen­gearbeitet und wirkt heut­zutage haupt­sächlich als Dirigent und Solist. 1999 gründete er ein eigenes Kammer­orchester, die Cappella Andrea Barca, mit einer Besetzung aus interna­tional bekannten Solisten, Kammer­musikern und Freunden. Neben seinen alljähr­lichen Auftritten mit diesem Orchester konzertiert er auch mit dem Chamber Orchestra of Europe.

Schiff, der seit seiner Kindheit gern Kammer­musik spielt, war von 1989 bis 1998 künstlerischer Leiter des inter­national hoch­ange­sehenen Kammer­musik­festivals „Musiktage Mondsee“ in der Nähe von Salzburg. 1995 initiierte er mit Heinz Holliger die „Ittinger Pfingstkonzerte“ in der Kartause Ittingen in der Schweiz. 1998 startete er unter dem Titel „Hommage to Palladio“ eine ähnliche Konzertreihe am Teatro Olimpico in Vicenza.

Schiff wurde mit zahlreichen interna­tionalen Preisen ausge­zeichnet. 2006 wurde er für seine Beethoven-Interpretationen zum Ehren­mitglied des Bonner Beethoven­hauses ernannt; 2008 erhielt er die Wigmore Hall Medal für sein 30-jähriges musika­lisches Wirken an der Londoner Wigmore Hall; 2009 ernannte ihn das Oxforder Balliol College zum Special Supernumerary Fellow; 2011 erhielt er den Schumann-Preis der Stadt Zwickau; 2012 erhielt er die goldene Mozart-Medaille der Inter­nationalen Stiftung Mozarteum, den Orden Pour Le Mérite für Wissen­schaft­en und Künste, das Große Verdienst­kreuz mit Stern der Bundes­republik Deutschland und wurde zum Ehren­mitglied des Wiener Konzert­hauses ernannt. Im Dezember 2013 erhielt er die Goldene Medaille der Royal Philharmonic Society und im Juli 2014 den Ehren­titel eines Doktors der Musik der University of Leeds.

Im Frühjahr 2011 sorgte Schiff für Aufmerksam­keit, als er sich gegen die alarmie­rende politische Entwicklung in Ungarn wandte und nach den anschlie­ßenden Angriffen vonseiten einiger ungarischer Nationa­listen beschloss, nicht mehr in seiner Heimat Ungarn aufzutreten.

Im Juni 2014 wurde er im Rahmen der Birthday Honours der britischen Königin für seine Verdienste um die Musik zum Knight Bachelor geschlagen.

Schiffs Buch „Musik kommt aus der Stille“ mit Essays und Gesprächen mit Martin Meyer erschien im März 2017 bei Bärenreiter und Henschel.