Jordi Savall erhält den Ernst von Siemens Musikpreis
21.1.2026
Jordi Savall erhält den Ernst von Siemens Musikpreis 2026. Savall hat als Musiker, als Forscher und als Vermittler Wegweisendes für die Alte Musik und die historische Aufführungspraxis geleistet. Seine Konzerte und Studioaufnahmen haben Referenzcharakter. Als Lehrer und Ensembleleiter prägte er Musiker*innen über Generationen hinweg. Mit seiner Musik zu dem Historienfilm Die siebte Saite wurde er 1991 einem Millionenpublikum bekannt.
Jordi Savall studierte zunächst in Barcelona Violoncello, bis er infolge seiner Begeisterung für die Musik der Renaissance die Viola da Gamba zu seinem Instrument erkor. Er schloss sein Studium in Basel an der Schola Cantorum Basiliensis ab, an der er später selbst Viola da Gamba unterrichten sollte. Seit den späten 1960er-Jahren hat Savall sich unermüdlich für die Alte Musik eingesetzt. Nicht nur als Interpret, sondern auch als Wissenschaftler, der Handschriften des Mittelalters und der Renaissance erforschte. Mit seiner ersten Ehefrau, der Sopranistin Montserrat Figueras, verband ihn bis zu ihrem Tod 2011 eine intensive künstlerische Zusammenarbeit. Gemeinsam mit ihr gründete Savall 1974 das Ensemble Hespèrion XX (heute Hespèrion XXI), das sich auf Musik der iberischen Halbinsel spezialisierte und 1987 das Vokalensemble Capella Reial de Catalunya, das sich der geistlichen Musik des Mittelalters widmet. 1989 folgte das Orchester Le Concert des Nations, das Werke des Barock, der Klassik und der Frühromantik auf Originalinstrumenten spielt. Um die Ergebnisse seiner Arbeit einem breiteren Publikum zugänglich machen zu können, gründete er 1998 das Label Alia Vox, das 230 Titel veröffentlichte und mehr als zwei Millionen CDs verkaufte.
Savall hat sich als Musiker wiederholt gesellschaftlich engagiert. 2018 gründete er das Ensemble Orpheus XXI für geflüchtete Musiker*innen aus Nordafrika und dem arabischen Raum. In seiner Forschung verfolgte er den Weg, den Musik seit dem 15. Jahrhundert über die Routen der Sklaverei genommen hat. Dabei machte er die vielfachen Verflechtungen der afrikanischen und der europäischen Musik deutlich. Auch heute spricht er sich für Frieden aus:
„Musik kann keinen Krieg beenden, sie kann aber Frieden in unseren Herzen stiften. Musik ist die einzige Sprache, die direkt die Herzen anspricht. Ohne sie wäre das Leben unmöglich.“