räsonanz – Luzern 2018
György Kurtág
György Kurtág kam am 19. Februar 1926 in Lugos (rumänisch: Lugoj) in der rumänischen Region Bánát zur Welt. Seit 1948 besitzt er die ungarische und seit 2001 zusätzlich die französische Staatsangehörigkeit. Kurtág begann das Klavierspiel im Alter von fünf Jahren bei Klára Vojkicza-Peia. Eine wesentliche Inspiration war in den folgenden Jahren das gemeinsame Musizieren mit seiner Mutter, mit der er Bearbeitungen von Haydn- und Beethoven-Sinfonien und Mozart-Ouvertüren für Klavierduo spielte.
Ersten regulären klavierpädagogischen Unterricht erhielt er in Temeswar/ Timişoara bei seiner Klavierlehrerin Magda Kardos, die ihn auch auf dem Gebiet der Komposition nachhaltig prägte. Sein erster Kompositionslehrer (in Harmonie und Kontrapunktik) war Max Eisikovits, ebenfalls in Temeswar/ Timişoara. Im September 1945 begegnete Kurtág bei einer Aufnahmeprüfung an der Budapester Franz-Liszt-Musikakademie György Ligeti, mit dem er bis zu dessen Tod 2006 befreundet blieb. Sein Musikstudium begann Kurtág 1946 an der Franz-Liszt-Musikakademie. Zu seinen Lehrern zählten Pál Kadosa (Klavier), Leó Weiner (Kammermusik), Sándor Veress und später Ferenc Farkas (Komposition); wichtige Impulse erhielt er auch von Pál Járdányi. Seinen Abschluss in Klavier und Kammermusik legte Kurtág 1951 ab, den in Komposition 1955.
Marianne markierte die Mitte meines Lebens.
1957/1958 belegte Kurtág Kurse bei Messiaen und Milhaud in Paris. Einen großen, noch entscheidenderen Einfluss stellte für ihn jedoch die Begegnung mit Marianne Stein dar. Sie half ihm nicht nur, eine Krise zu überwinden, die seine Arbeit als Komponist jahrelang blockiert hatte, sondern auch, ein neues Kapitel in seiner Komponistenlaufbahn aufzuschlagen, und zeigte ihm eine ganz neue Richtung auf – „Marianne markierte die Mitte meines Lebens“, so der Komponist. Deshalb widmete er ihr sein Streichquartett op. 1 und die Kafka-Fragmente op. 24. In den Monaten, während derer er die Pariser Kurse absolvierte, besuchte er Domaine-musical-Konzerte unter der Leitung von Pierre Boulez und hörte mehrere von Boulez‘ Kompositionen, die sich entscheidend auf seine weitere Entwicklung auswirken sollten. Kurtágs Pariser Monate und einige Tage, die er auf seiner Rückreise nach Budapest in Köln verbrachte, wo er Ligeti erneut begegnete und dessen elektronische Komposition Artikulation hörte, sowie die Begegnung mit Stockhausen und dessen Werk Gruppen für drei Orchester waren weitere wichtige Einflüsse in der Zeit, als er an seinem Streichquartett op. 1 arbeitete.
Von 1960 bis 1968 arbeitete Kurtág als Korrepetitor für Solisten der Nationalen Konzertagentur; 1967 wurde er an die Staatliche Musikakademie berufen. Anfangs war er Assistent im Fach Klavier bei Pál Kadosa und lehrte später Kammermusik. 1986 ging er in den Ruhestand, unterrichtete aber bis 1993 regelmäßig weiter. Seither gibt er Kammermusikkurse in vielen europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten. Zusammen mit seiner Frau spielt er Klavierkonzerte mit Werken aus dem Klavierzyklus Játékok [Games] und eigenen Bach-Transkriptionen.
1971 hielt sich Kurtág ein Jahr lang mit einem DAAD-Stipendium in Westberlin auf. 1973 wurde er mit dem Kossuth-Preis ausgezeichnet (den er 1996 erneut erhielt). 1981 spielte das Ensemble intercontemporain die Uraufführung von Messages de feu demoiselle R. V. Troussova op. 17 für Sopran und Kammerensemble ein (Solistin: Adrienne Csengery, Dirigent: Sylvain Cambreling) und sorgte damit für Kurtágs internationalen Durchbruch. 1993 ging Kurtág für zwei Jahre als Composer-in-Residence der Berliner Philharmoniker auf Einladung des Wissenschaftskollegs nach Berlin. 1995/1996 war er, ebenfalls als Composer-in-Residence, zu Gast am Wiener Konzerthaus. Es folgten Amsterdam (1996–1998), erneut Berlin (1998–1999) und Paris (1999–2001). Seit 2001 leben Kurtág und seine Frau in Saint-André-de-Cubzac bei Bordeaux.
György Kurtág hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, darunter den Ernst von Siemens Musikpreis 1998 sowie 2006 den Grawemeyer Award – einen der prestigeträchtigsten Musikpreise der Welt – für …concertante… op. 42.