Maria Sturm

Kompositionsauftrag an José Luis Perdigón

Kollektiv UNRUHE, Berlin (DE)

Mit UNDERWATER MUSIC entwickelt das Berliner Kollektiv UNRUHE ein einstündiges Konzert im Rahmen des erstmals stattfindenden Ensembletreffens Berlin. Das Projekt untersucht Wasser als akustisches, politisches und ökologisches Material und verortet sich im Spannungsfeld von Klimawandel, Ressourcenkonflikten, Verlust und Wahrnehmung. Drei neu entstehende Werke von Komponist*innen des Kollektivs setzen sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit der Thematik auseinander. Die Ernst von Siemens Musikstiftung unterstützt den Kompositionsauftrag an José Luis Perdigón.

Das neue Werk von José Luis Perdigón beschließt das Konzert und setzt nach zwei elektronisch geprägten Positionen einen bewusst rein akustischen Kontrast. Klassische Instrumente treffen auf Klangobjekte aus Ton, Metall und Glas. Ausgangspunkt ist die wachsende Fragilität des Wassers: Dürren, erschöpfte Reservoirs und zunehmende Wüstenbildung prägen die Gegenwart; neue Technologien wie KI verschärfen diese Dynamik. Im Zentrum steht die Frage: Was bleibt, wenn Wasser verschwindet – welche Spuren bestehen fort?

Strukturelles Vorbild sind geologische Relikte wie ausgetrocknete Flussbetten, Sedimente, Evaporit-Ablagerungen, verzweigte Täler auf dem Mars oder fossile Deltas – Einschreibungen eines einst fließenden Elements.

Perdigón verbindet dies mit seiner Forschung zur auditiven Imagination. Das Werk entfaltet eine doppelte Wahrnehmung: Äußere Klänge entstehen, wandeln sich, versiegen, während im inneren Hörraum Spuren fortklingen. Wie ein trockenes Flussbett den Verlauf bewahrt, prägt Erinnerung das Hören selbst in der Stille. Klang erscheint als Schichtung, Abdruck und Spur. In der Dramaturgie von UNDERWATER MUSIC entsteht so ein konzentrierter Reflexionsraum über Präsenz, Entzug und das Verschwinden von Wasser.

Weitere Informationen:
kollektivunruhe.com

Termin

4. Oktober 2026
CANK, Berlin