räsonanz – München 2026

Wolfgang Rihm

Geboren am 13. März 1952 in Karlsruhe, wo er bis zuletzt seinen Wohnsitz hatte, war Wolfgang Rihm Komponist, Professor für Komposition und Autor zahlreicher Bücher – die teilweise Sammlungen seiner Schriften repräsentieren, teilweise Interviewbände mit ihm als Gesprächspartner konstituieren. Er war auch Mitglied zahlreicher Gremien in Deutschland, wo immer es gilt, die Interessen der Musikschaffenden zu vertreten. Ab 1993 war Rihm Mitglied des Kuratoriums der Ernst von Siemens Musikstiftung; 2003 erhielt er den Ernst von Siemens Musikpreis.

Keine Zweifel: Wolfgang Rihm ist und bleibt ein Phänomen, eine überlebensgroße Figur. Sein Wissen auf seinem eigentlichen Betätigungsfeld, der Musik, war allumfassend, aber das gleiche gilt auch für die Künste, die Literatur, die Philosophie – die alle für sein Komponieren als Inspirationsquelle dienten.

Die Welt, die er mit seinen über 400 Kompositionen geschaffen hat, ist ein Universum. Als solches kann es nicht eingestuft, mit einem Label abgehakt werden. Um den Titel eines englischen Filmes umgewandelt zu entlehnen: er war ‚a composer for all seasons‘. Rihm hat so genannte neue Musik geschrieben – und die Titel seiner Kompositionen sind symbolhaft für die Musikgeschichte der letzten Jahrzente geworden, ein Gemeingut, dessen sich Orchester, Ensembles und Kammergruppen regelmäßig und selbstverständlich bedienen. (Etwa: Jagden und Formen, der Chiffre-Zyklus, Pol – Kolchis – Nucleus). Gleiche Bedeutung steht den Werken zu, die sich auf die Musikgeschichte berufen – etwa Oratorien in der Bach-Nachfolge (Deus Passus), Orchesterwerke, die sich an Brahms orientieren (Ernster Gesang, Nähe fern 1-4)oder Kammermusik nach Robert Schumann (Fremde Szenen). Schon als 25-Jähriger hat Rihm eine Kammeroper komponiert, die seit über 30 Jahren im Repertoire verankert ist (Jakob Lenz). Weitere Musiktheaterwerke verschiedenster Stile bereichern die Programme der Opernhäuser (Die Eroberung von Mexico, Die Hamletmaschine, Das Gehege, Dionysos).

Wolfgang Rihm war einer der wichtigsten Liederkomponisten unserer Zeit; seine Streichquartette werden von den verschiedensten Gruppen in zyklischen Konzertreihen präsentiert. Er war ein Komponist, der sich immer in Frage stellte. Jedes neue Werk war eine Antwort auf das Vorausgegangene; jedes neue Werk warf Fragen auf, die er im nächsten Stück zu beantworten suchte. So entstanden Werkreihen, ganze Familien von Kompositionen. Alles war ständig im Wachsen, es wurde ununterbrochen gearbeitet, ergänzt, in neue Verbindungen gebracht.

Rihms Tätigkeit als Lehrer (mit Vykintas Baltakas und Jörg Widmann unter seinen Studenten) wäre ein anderes Kapitel. Und wenn man bedenkt, welch großartiger Zeichner er war und wenn man das Gedicht liest, das er über und für sein Trompetenkonzert Marsyas geschrieben hat, muss man zugeben, dass Wolfgang Rihm in der Tat eine überlebensgroße Figur war.

Wolfgang Rihm zählt zu den meistgespielten zeitgenössischen Komponisten Europas – der Ausnahmekomponist starb in der Nacht zum 27. Juli im Alter von 72 Jahren.

Wolfgang Rihm im Archiv der Ernst von Siemens Musikstiftung

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